Unterstützen Sie die Kopplung des Renteneintritts an das Lebensalter?
Sehr geehrte Frau C.,
vielen Dank für Ihre Frage.
Eine starre oder automatische Kopplung des gesetzlichen Renteneintrittsalters an die durchschnittliche Lebenserwartung halte ich für problematisch. Die Entwicklung der Lebenserwartung verläuft weder gleichmäßig noch betrifft sie alle Menschen in gleicher Weise. Sie unterscheidet sich unter anderem nach Einkommen, beruflicher Belastung und gesundheitlicher Situation. Hinzu kommt, dass die durchschnittliche Lebenserwartung nicht zwangsläufig dauerhaft steigt, sondern auch stagnieren oder wieder zurückgehen kann.
Sollte ein solcher Zusammenhang im Rahmen der weiteren Rentenreform überhaupt geprüft werden, dürfte dies deshalb aus meiner Sicht nur mit einem verbindlichen Überprüfungsmechanismus und klaren sozialen Schutzregelungen geschehen. Eine rein mathematische Anhebung der Altersgrenze würde der Lebenswirklichkeit vieler Menschen, insbesondere in körperlich oder psychisch stark belastenden Berufen, nicht gerecht.
Für mich ist außerdem entscheidend, die Frage des Renteneintrittsalters nicht isoliert zu betrachten. Eine verlässliche gesetzliche Rente setzt voraus, dass das Rentenniveau dauerhaft gesichert, die Finanzierung auf eine breite und solidarische Grundlage gestellt und Menschen vor Altersarmut geschützt werden. Ebenso wichtig sind gute Arbeitsbedingungen, altersgerechte Beschäftigungsmöglichkeiten und flexible Übergänge in den Ruhestand.
Als Sozialdemokratin ist für mich klar: Die Stabilität der gesetzlichen Rentenversicherung darf nicht einseitig zulasten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gesichert werden. Notwendige Reformen müssen generationengerecht, verlässlich und sozial ausgewogen ausgestaltet sein.
Mit freundlichen Grüßen
Simone Lang, MdL
