Frage an Christine Buchholz bezüglich Gesundheit

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Christine Buchholz
DIE LINKE
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Frage von Gerhard R. •

Frage an Christine Buchholz von Gerhard R. bezüglich Gesundheit

Sehr geehrte Frau Buchholz,

aus einer Pressemitteilung von Terre des hommes:

Mit Bildern und Slogans wie Coole Beach-Partys, crazy Strandspielen und jede Menge Fun suggeriert die Bundeswehrwerbung, dass es sich bei der Bundeswehr um einen Abenteuerausflug handelt. Die Werbung für das »BW-Adventure Camp« wird unter anderem auf Bravo WebTV und Bravo Sport.de beworben. Die Zielgruppe der Bravo ist zwischen zehn und 19 Jahren alt. Diese irreführende Reklame in Jugendmedien verletzt die Prinzipien der UN-Kinderrechtskonvention und die besonderen Schutzpflichten des Staates gegenüber Kindern. Nach Artikel 3 des Zusatzprotokolls der Kinderrechtskonvention dürfen Minderjährige grundsätzlich nicht für den Militärdienst angeworben werden. Ausnahmen sind nur bei fast Volljährigen unter Einhaltung strenger Schutzmaßnahmen erlaubt. Und nach Artikel 29 müssen Kinder zu Frieden, Toleranz und Völkerverständigung erzogen werden.

Terre des hommes fordert deshalb, dass sich die Bundeswehr bei ihrer Nachwuchswerbung auf Erwachsene beschränkt. Kinder und Jugendliche sind leicht beeinflussbar und können kaum einschätzen, was eine Verpflichtung und die damit verbundenen Auslandseinsätze für sie bedeuten können – schon gar nicht, wenn sie irreführend informiert werden. Dass Soldaten bei Kriegseinsätzen hohen Risiken ausgesetzt sind und dabei unter Umständen Menschen töten müssen, wird in den Werbekampagnen der Bundeswehr nicht thematisiert.

www.tdh.de/protestaktion

Stimmen wir darin überein, dass wegen der parlamentarischen Mehrheiten Proteste
nicht ausreichen?

Wird DIE LINKE Infoblätter veröffentlichen, in denen die möglichen gesundheitlichen Risiken umfassend, übersichtlich und eindringlich beschrieben werden?

Mit freundlichen Grüßen

Gerhard Reth

Portrait von Christine Buchholz
Antwort von
DIE LINKE

Sehr geehrter Herr Reth,

die von Ihnen angesprochenen Methoden des Bundesministeriums für Verteidigung, mit denen bereits Kinder für die Bundeswehr begeistert werden sollen, halte ich für unverantwortlich. Wir müssen feststellen, dass das in Zusammenarbeit mit "Bravo" beworbene "Adventure Camp" nur der Höhepunkt einer Rekrutierungsstrategie ist, die schon seit längerem gezielt Kinder anspricht. Offenbar geht es darum, bereits frühzeitig ein positives und ganz und gar unrealistisches Bild vom Einsatz der Bundeswehr zu vermitteln. Tatsächlich kehren immer mehr Soldaten aus Afghanistan traumatisiert oder tot zurück. Das will die Werbestrategie des Bundesverteidigungsministeriums vergessen machen.

DIE LINKE beteiligt sich vor diesem Hintergrund an zahlreichen Aktivitäten, die auf Aufklärung setzen. Erhältlich ist die Broschüre "Keine Bundeswehr an den Schulen", die Sie auch im PDF-Format aus dem Internet herunterladen können unter
http://christinebuchholz.de/wp-content/uploads/2011/09/1590aac2-23a9-102f-b1de-6667fc76d512.pdf

Die regierende Mehrheit aus CDU/CSU und FDP trägt die Verantwortung für den Versuch, den Militarismus in die Schulen und die Köpfe der Kinder zu tragen. Sie will damit die Personalprobleme lösen, mit denen die Bundeswehr aufgrund der Unpopularität der Auslandseinsätze zu kämpfen hat. Proteste allein wird die Bundesregierung nicht von diesem Kurs abbringen. Aber Proteste helfen, der Bundeswehr-Werbung etwas entgegenzusetzen und Jugendliche in ihrer kritischen Haltung gegenüber der Bundeswehr zu bestärken. Dies insbesondere, da es häufig Jugendliche selbst sind, die den Widerstand organisieren und gestalten, wie etwa während der bundesweiten Aktionswoche gegen Bundeswehr, die vom 24. bis 29. September an Schulen und Hochschulen durchgeführt wurde. Insofern leisten Proteste einen wichtigen Beitrag zur Verbreitung antimilitaristischer Aufklärung.

Mit freundlichen Grüßen,
Christine Buchholz