Finden Sie die geplanten Kürzungen in der Psychotherapie für sozial verträglich?
Lieber Herr Frei,leider erreichen mich/uns täglich Schreckensnachrichten über Kürzungen in der Psychotherapie. Ich bin mit Leib und Seele ärztlicher Psychotherapeut und habe mich 2022 mit einer halben Zulassung (für 40 000 Euro) niedergelassen. Die zukünftigen Kürzungen, Budgetierungen und Gesetzesstreichungen bei der Angleichung der Psychotherapeutenhonorare machen mir tatsächlich Angst. Wenn das alles so am Freitag im Bundestag durchgewunken wird, werde ich mit 18 Therapiestunden pro Woche, wie es vorgesehen ist, meine Existenz nicht sichern können. Derzeit kann ich mit einem halben Sitz 30 Sitzungen abhalten und das entspricht einer Wochenarbeitszeit von 40 Stunden. Die Folgen sind noch längere Wartezeiten und ein steigender Krankenstand. Es geht um Leben!Das hier ist kein Jammern auf hohem Niveau, sondern es sind existenzielle Probleme für Alle!Ich bitte Sie innigst das bei der Abstimmung am Freitag zu berücksichtigen!Herzlichen GrußHerbert Paul M.
Sehr geehrter Herr M.,
vielen Dank für Ihre Nachricht und Ihre Schilderung aus der Praxis.
Ich nehme Ihre Sorgen hinsichtlich der psychotherapeutischen Versorgung ernst. Ziel der Reform ist es, die gesetzliche Krankenversicherung finanziell zu stabilisieren, ohne die Versorgung der Patientinnen und Patienten zu gefährden. Die Vergütung psychotherapeutischer Leistungen wird künftig wieder in die morbiditätsbedingte Gesamtvergütung zurückgeführt, wobei das Finanzvolumen erhalten bleibt.
Zudem wurde im parlamentarischen Verfahren ein Entschließungsantrag aufgenommen, der weitere Regelungen zur Sicherung der Versorgung, unter anderem für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie sowie schwer psychisch erkrankte Menschen mit komplexem Behandlungsbedarf, vorsieht.
Mit freundlichen Grüßen
Thorsten Frei
