Wenn Mehrarbeit abseits der 40h eingeführt werden soll, wieso kann diese Arbeit nicht sozial- und lohnsteuerfrei bezahlt werden?
Sehr geehrter Herr Frei,
Ich habe eine konkreten Vorschlag zu der derzeit geführten Debatte der Mehrarbeit und Kürzung der Teilzeitrechte:
Warum wird nicht jede Stunde, die über die Höchstarbeitszahl geleistet wird, äquivalent zur Incentivierung von Rentner:innen (2.000€ steuerfrei für das Weiterarbeiten) steuerfrei ausbezahlt, d.h. der Arbeitnehmer zahlt keinerlei Sozialabgaben oder Lohnsteuer auf geleistete Mehrarbeit?
Zur Einordnung: Ich bin in der privilegierten Lage, bereits 44% meiner Zeit für den Staat zu wirtschaften. Eine Erhöhung meiner Arbeitszeit auf 48h oder auch nur um 1h mehr, ist für mich wirtschaftlich und sozial in keiner Form attraktiv.
Wenn es Ihnen wirklich darum geht, die Wirtschaftsleistung anzukurbeln, dann wäre das meiner Ansicht nach ein valider Weg - weil sowohl die Wirtschaft von der geleisteten Mehrarbeit profitiert, als auch der Arbeitnehmer dadurch höher incentiviert wird.
Wie ist Ihre Meinung zu diesem Vorschlag?
Danke und beste Grüße
Sehr geehrter Herr D.,
Sie sprechen einen wichtigen Punkt an: Zusätzliche Arbeitsstunden sind für viele Menschen angesichts der bestehenden Steuer- und Abgabenlast nur begrenzt attraktiv, und die Frage nach zielgenauen Anreizen stellt sich zu Recht. Die von Ihnen angeregte vollständige Steuer- und Abgabenfreiheit von Mehrarbeit wirft allerdings eine Reihe von rechtlichen, finanzpolitischen und auch verteilungspolitischen Fragen auf, die sorgfältig geprüft werden müssten. Es geht dabei insbesondere um die Finanzierbarkeit unserer Sozialversicherungen, die Wahrung von Fairness zwischen unterschiedlichen Einkommensgruppen. Unabhängig davon halte ich es für wichtig, insgesamt zu einer stärkeren Entlastung von Arbeit zu kommen und Leistung besser zu honorieren.
Mit freundlichen Grüßen
Thorsten Frei
