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Rheinland-Pfalz verfehlt mit 0,60 % das 2 %-Wildnisziel deutlich. Welche Maßnahmen wird die Landesregierung ergreifen, um das Ziel dennoch zu erreichen?

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Frage von Nico B. •

Rheinland-Pfalz verfehlt mit 0,60 % das 2 %-Wildnisziel deutlich. Welche Maßnahmen wird die Landesregierung ergreifen, um das Ziel dennoch zu erreichen?

Hintergrund der Frage ist die Veröffentlichung der Wildnisstudie:

https://wildnisindeutschland.de/wp-content/uploads/2024/12/Handout_Wildnisbilanzierung.pdf

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Um den Anteil der Wälder mit natürlicher Entwicklung zu erhöhen, setzt die Landesregierung vor allem auf finanzielle Anreize für den nicht-staatlichen Wald (Körperschafts- und Privatwald), der etwa 75 % der Waldfläche in Rheinland-Pfalz ausmacht. Es gibt hierbei eine Diskrepanz zwischen der statistisch erfassten Zielerreichung und der tatsächlichen Situation vor Ort, die durch folgende Maßnahmen und Entwicklungen geprägt ist:

  • Förderprogramme: Ein wesentliches Instrument ist das Bundesförderprogramm „Klimaangepasstes Waldmanagement“ (KWM). Hierüber wurden bereits etwa 10.350 Hektar Wald mittelfristig aus der Nutzung genommen. Zudem fördert das Land über das Programm für Waldnaturschutzmaßnahmen den Nutzungsverzicht auf weiteren rund 1.300 Hektar ökologisch wertvoller Flächen.
  • Problematik der Anrechnung: Der Grund, warum diese Erfolge in der offiziellen Statistik (wie dem 2 %-Wildnisziel oder dem NWE5-Ziel) oft noch nicht sichtbar sind, liegt an den formalen Kriterien: Für eine Anrechnung in der NWE5-Bilanz ist eine vertragliche Bindung von mindestens 30 Jahren erforderlich. Die genannten Programme haben jedoch oft nur Laufzeiten von 10 Jahren (Landesprogramm) oder 20 Jahren (KWM), weshalb sie statistisch nicht gezählt werden, obwohl sie de facto wirken.
  • Zukünftige Maßnahmen: Ein möglicher Hebel zur statistischen Zielerreichung wäre die Überprüfung und Anpassung der Bindungsfristen. Würde man beispielsweise den 20-jährigen Verzicht aus dem KWM-Programm anerkennen, wäre das 5 %-Ziel im Körperschaftswald bereits knapp erreicht. Zudem wird daran gearbeitet, staatliche Förderangebote („Produktpolitik“) so zu gestalten, dass sie für Waldbesitzende attraktiv bleiben – auch in Konkurrenz zu neuen Märkten wie dem CO2-Handel.

Faktische Schutzgebiete: Ergänzend existieren in Rheinland-Pfalz umfangreiche Flächen (z. B. in unerschlossenen Steillagen der Flusstäler), die faktisch seit langer Zeit nutzungsfrei sind und eine hohe ökologische Wertigkeit besitzen, jedoch mangels formaler Bindung nicht in der Statistik auftauchen.

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